Sizilianisches Lexikon - Wissenswertes über Sizilien

Sizilianisches Lexikon, für die Reise und den Wissensdurst

Finde heraus welche Plätze, Orte und Sehenswürdigkeiten es in Sizilien gibt. Über berühmte Persönlichkeiten aus und in Sizilien, über Gebräuche und Traditionen über Menschen und die Natur. Klar, bei Wikipedia kann man das auch nachlesen, nur bei einigen Sachen sind meine persönlichen Erfahrungen mit eingeflossen. Also einfach reinschauen oder eben auch nicht :-)

Sizilien (italienisch Sicilia), größte Insel Italiens und des Mittelmeeres, die durch die Straße von Messina vom italienischen Festland getrennt ist. Die 25 426 Quadratkilometer große Insel bildet zusammen mit den angrenzenden kleineren Nebeninseln eine autonome Region Italiens. Die Region hat etwa 5,2 Millionen Einwohner.

Der größte Teil der Fläche Siziliens wird von einer Hochebene eingenommen, die sich auf 150 bis 580 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Im Norden befinden sich die Gebirge Nebrodi und Madonie, die einzigen deutlich abgesetzten Bergketten der Insel. Im Osten erhebt sich der aktive Vulkanberg Ätna (3 350 Meter über dem Meeresspiegel). Die tieferen Lagen der Berghänge sind vor allem von Orangen- und Olivenhainen und der größte Teil der Hochebene von Weizenfeldern bedeckt. Die fruchtbaren Ebenen von Catania am Südfuß des Ätna werden immer wieder von Erdbeben heimgesucht. In Messina und den benachbarten Dörfern kamen 1908 bei einem Beben mehr als 50 000 Menschen ums Leben.

Sizilien ist durch ein heißes, trockenes Klima im Sommer und milde Winter gekennzeichnet. Auch die Regenzeit im Spätherbst und Winter sowie der Schirokko, der von Nordafrika her über die Insel weht, tragen nur wenig zur Linderung der allgemeinen Trockenheit bei. Auf Gebirgshöhen und an Steilhängen wachsen vereinzelt Wacholder sowie Buchen und Eichen. Im tiefer gelegenen Flachland wird Weizen angebaut, daneben gedeihen dort Olivenbäume, Korkeichen, Pinien sowie Kastanien und Eichen. Abgesehen von einigen Geierarten sind nur wenige wild lebende Tiere auf Sizilien heimisch.

Wirtschaft

Sizilien ist ein Hauptstandort für den Schwefelbergbau. Außerdem werden Stein- und Kalisalze gefördert. Auch ist die petrochemische Industrie für die Wirtschaft der Insel von Bedeutung. Ihre Produktionsstätten befinden sich überwiegend im Osten Siziliens, vor allem in Catania und Syrakus sowie in Ragusa und Gela. Die Landwirtschaft ist der dominierende Erwerbszweig der Sizilianer. Im Binnenraum überwiegt der extensive Anbau von Weizen. Daneben werden Reben, Zitrusfrüchte, Mandeln, Oliven und Bohnen angebaut. Vor der Küste Siziliens gibt es ausgedehnte Fischgründe (Thunfisch, Sardellen, Korallen und Krebstiere). Ein Viertel der Fischereiwirtschaft Italiens wird von Sizilien aus betrieben. Weitere Wirtschaftszweige sind die Produktion von Wein und Olivenöl, die Konservierung von Obst und Gemüse sowie die Herstellung von Citronensäure. In den größeren Städten werden Glaswaren, Metallwaren und Zündhölzer hergestellt. Sizilien exportiert Schwefel, Obst und Gemüse, Sumach, Salz, Wein, Öl und Fisch. Importgüter sind vor allem Getreide, Kohle und Eisen. Fast der gesamte Handel wird über die drei größten Häfen, Palermo (die Hauptstadt der Region Sizilien), Catania und Messina abgewickelt.

Sehenswürdigkeiten

Aufgrund ihrer langen, wechselvollen Geschichte bietet die Insel eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Alle hier wirkenden Kulturen hinterließen eine Reihe von Zeugnissen. Kaum eine andere Region bietet auf ähnlich großem Raum eine derartige Fülle von architektonisch interessanten Bauten. Die Zentren von Palermo, Catania, Messina, Syrakus, Trapani und anderen Städten beherbergen neben Bauten aus griechischer und römischer Zeit auch Bauwerke aus der Normannenzeit sowie zahlreiche Beispiele moderner Architektur. Darüber hinaus sind auch viele Siedlungen aus der Antike in Resten erhalten.

Zu den bekanntesten archäologischen Sehenswürdigkeiten gehören die griechischen Ruinen von Agrigento im Süden der Insel. Die im so genannten Tal der Tempel freigelegten, aus dem 5. und 6. Jahrhundert v. Chr. stammenden dorischen Tempel zählen zu den besterhaltenen ihrer Zeit. Herausragend ist der Tempel des Zeus; dieses 480 v. Chr. errichtete, aber nie fertig gestellte Bauwerk wurde anlässlich des Triumphs der Griechen über die Karthager angelegt. Mit einer Länge von 113 Metern ist der Zeustempel die größte Halle des griechischen Altertums. Weitere Tempel sind anderen Gottheiten, wie etwa Hera und Concordia, geweiht.

Ein weiteres herausragendes Beispiel griechischer Architektur ist der Apollontempel von Selinunt, einer Stadt im Südwesten der Insel. Auf der vollständig von Mauern umgebenen Akropolis sind Reste dorischer und hellenistischer Tempel erhalten. Weitere Beispiele gut erhaltener Bauten aus griechischer Zeit finden sich in Segesta im Nordwesten von Sizilien. Zu den erhaltenen Sehenswürdigkeiten aus der Antike gehören ein hellenistisches Theater aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., das aus dem Felsen gehauen wurde, und ein unvollendeter Tempel aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. auf einem Höhenrücken im Westen der Stadt; er umfasst 36 Säulen und zählt zu den am besten erhaltenen dorischen Tempelbauten auf Sizilien. In der auf dem Monte Catlafano östlich von Palermo gelegenen, von Phönikiern gegründeten und später von Römern übernommenen Stadt Solunto sind die Ruinen eines Gymnasiums und eines Theaters erhalten.

Geschichte

Die ältesten Bewohner Siziliens waren die Sikelia, die von der Südspitze Italiens auf die Insel einwanderten. Die Aufzeichnung der Geschichte Siziliens begann mit der Gründung griechischer und phönizischer Siedlungsgebiete. Die erste griechische Siedlung, Naxos, wurde 735 v. Chr. gegründet, die späteste, Akragus (heute Agrigent genannt), etwa um 580 v. Chr. Akragus und Gela wurden schon frühzeitig zu dominierenden Zentren. Unter der Herrschaft von Phalaris war Akragus wahrscheinlich vorübergehend mächtigste Kolonie Siziliens. Gela unterwarf unter dem Tyrannen Gelon die meisten anderen griechischen Städte der Insel.

Die Karthager erreichten die Insel erstmals 536 v. Chr. und übten ihre Herrschaft vor allem im Westen der Insel aus. Die wichtigsten karthagischen Siedlungen waren Panormus (heute Palermo), Motya und Solois. In der Schlacht bei Himera (480 v. Chr.) wurde die karthagische Armee von Gelon vernichtend geschlagen und Hamilkar, der karthagische Führer, getötet. Die gelonische Dynastie brach 466 v. Chr. auseinander. 410 v. Chr. entflammte erneut ein Krieg zwischen den Karthagern und Griechen um den Besitz der Insel. Die Karthager siegten zwar, doch konnte ihr Eroberungsfeldzug unter der Führung des griechischen Tyrannen Dionysios I. (405-367 v. Chr.) unter Kontrolle gehalten werden. 241 v. Chr. wurde Sizilien mit Ausnahme des einstigen Territoriums von Dionysios I. während des 1. Punischen Krieges zur römischen Provinz. Der Rest der Insel wurde erst 212 v. Chr. römisch. Die wichtigsten Ereignisse in Sizilien während der Herrschaft der Römer waren die beiden Sklavenkriege (136-132 v. Chr. und 104-101 v. Chr.). Nach der Herrschaft der Wandalen unter Geiserich (440 n. Chr.) und der Übergabe der Insel an den Führer der Ostgoten, Theoderich, fiel Sizilien unter der Führung des Generals Belisar 535 an das Byzantinische Reich.

Ab 827 eroberten und beherrschten die Sarazenen Sizilien. 1061 begann die Eroberung Siziliens durch die Normannen unter Robert Guiscard und seinem Bruder Roger I. von Sizilien, die 1091 beendet wurde. 1127 wurde Roger II., Graf von Sizilien, als Herzog von Apulia und Calabria anerkannt, und 1130 nahm er den Titel König von Sizilien an.

Die beiden Sizilien

1194 schufen die Hohenstaufen, dessen neben Barbarossa berühmtestes Mitglied der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Friedrich II. war, einen modernen Verwaltungsstaat. Als Friedrich I. von Sizilien leitete jener einen hervorragenden Hof und erließ im Jahr 1231 die antifeudale Verfassung von Melfi mit einer zentralen Verwaltung Siziliens. Kurz nach seinem Tod (1250) brach die Herrschaft der Staufer zusammen. Mit päpstlicher Unterstützung übernahm Karl I., Graf von Anjou und Bruder des französischen Königs Ludwig IX., 1268 die Kontrolle über das Königreich. 1282 revoltierten die Bürger Palermos gegen seine Unterdrückungsherrschaft. Der Aufstand ist als Sizilianische Vesper bekannt. Neapel blieb zwar unter Kontrolle des Dynastengeschlechts Anjou, doch wurde Sizilien unabhängig und wählte den König von Aragonien, Peter III., der durch seine Heirat mit dem Hause Hohenstaufen verwandt war, zum König von Sizilien.

Ferdinand V. von Kastilien, der seit 1468 König von Sizilien war, ernannte sich 1504 selbst zum Herrscher des Königreiches Neapel. Die spanische Krone behielt beide Länder bis zum Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1713). Durch das Abkommen von Utrecht (1713) wurde Sizilien von Neapel getrennt und dem Herzog von Savoyen, Victor Amadeus II., anvertraut, der es sieben Jahre später im Austausch gegen die Insel Sardinien an Österreich abtrat.

1734 überfiel der Bourbone Don Carlos (später König von Spanien, Karl III.), Neapel und Sizilien und wurde 1735 gekrönt und durch das Wiener Abkommen als Karl IV., König der beiden Sizilien, anerkannt. Nach dem Frieden von Aix-la-Chapelle (1748) herrschte in Italien für fast 50 Jahre Ruhe, so dass sich Sizilien in den Bereichen Verwaltung, Wirtschaft und Bildungswesen weiterentwickeln konnte. Erst durch die Französische Revolution kamen neue Unruhen auf. Dem Bündnis gegen die französische Republik schloss sich auch Ferdinand I., der König der beiden Sizilien, an.

Die Napoleonischen Kriege

Im Dezember 1798 unternahmen die Neapolitaner den Versuch, die Franzosen aus dem Kirchenstaat zu vertreiben. Sie wurden zurückgedrängt, Neapel wurde eingenommen (im Januar 1799), und es entstand die Parthenopische Republik. Im gleichen Jahr wurde Ferdinand I. mit Unterstützung der britischen Flotte wieder eingesetzt. 1799 eroberte Napoleon Bonaparte das Königreich von Neapel und setzte seinen Bruder Joseph auf den Thron. Sizilien wurde weiterhin von Ferdinand regiert. 1808 wurde Joseph Bonaparte von Joachim Murat als König von Neapel abgelöst, und nach dem Sturz Murats im Jahr 1815 wurde Ferdinand erneut König von Neapel. Ende 1816 vereinigte Ferdinand die beiden Königreiche Neapel und Sizilien wieder zu dem Königreich beider Sizilien und kam seinen Reformversprechen nicht nach.

Königlicher Streit und die Vereinigung mit Italien

1820 fand in den neapolitanischen Herrschaftsgebieten ein militärischer Aufstand statt, um eine verfassungsrechtliche Regierung zu errichten, dem sich auch eine revolutionäre Gruppe namens Carbonari anschloss. Ferdinand stellte sich den Forderungen, obgleich er vorher mit Österreich überein gekommen war, keine konstitutionellen Zugeständnisse zu machen. Zur gleichen Zeit entstand auf Sizilien eine revolutionäre Unabhängigkeitsbewegung. 1821 beauftragte der Kongress der Großmächte in Laibach Österreich damit, Ferdinands absolute Macht wieder herzustellen. Ferdinand wurde 1825 von seinem Sohn Franz I. abgelöst, der wiederum von seinem Sohn, Ferdinand II., abgelöst wurde (1830). Nach 1843 fanden die republikanischen Theorien des italienischen Patrioten Giuseppe Mazzini einen starken Anklang in Süditalien. Anfang 1848 erhob sich Sizilien und zwang Ferdinand II., seinen Untertanen eine parlamentarische Verfassung zu gewähren. Diese befriedigte die Sizilianer jedoch nicht, und sie setzten Ferdinand ab. Unterstützt von reaktionären Kräften, bekämpfte Ferdinand in seinen neapolitanischen Gebieten erfolgreich die damals Italien erschütternde revolutionäre Bewegung. Im September 1848 drangen seine Streitkräfte in Sizilien ein. Im Mai 1849 kapitulierte Palermo, und die Revolution auf der Insel war beendet. Ferdinand übte Vergeltung an den Rebellen und wurde darin erst durch das Eingreifen der Briten gebremst. 1859 wurde Ferdinand II. von seinem Sohn, Franz II., abgelöst. 1860, nachdem Norditalien von der österreichischen Herrschaft befreit worden war, landete der italienische Nationalist Giuseppe Garibaldi mit 1 000 Freiwilligen auf Sizilien und gewann die Kontrolle über die Insel. Danach wurde Sizilien Teil des neuen Königreiches Italien (1861).

Die von den Piemontesen dominierte nationale Regierung hatte jedoch nur wenig Verständnis für den Süden. Bemühungen, die Macht zu zentralisieren, sowie eine drückende Steuerlast und Einberufungen verschärften den Unmut des Südens und führten in Palermo 1866 zu einem Aufstand, der aber scheiterte. Die Beziehungen zwischen dem Süden und dem Norden verbesserten sich auch nicht, als der aus Sizilien stammende Francesco Crispi die nationale Regierung von 1887 bis 1891 und von 1893 bis 1896 leitete. Die schweren Landarbeiterunruhen konnten nur mit Mühe unterdrückt werden, nachdem Crispi 1894 das Kriegsrecht auf Sizilien ausrief. Bis 1915, als Italien in den 1. Weltkrieg eintrat, waren die Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden von gegenseitigem Misstrauen geprägt.

Nach dem Krieg und der faschistischen Machtübernahme im Jahr 1922 versuchte Benito Mussolini, die Mafia mit polizeistaatlichen Mitteln zu bekämpfen. In der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1943 landeten die Alliierten in Sizilien und eroberten die Insel innerhalb von 38 Tagen. Dieser Einsatz auf Sizilien führte zu Mussolinis Sturz und einige Wochen später zur Kapitulation der italienischen Regierung.

Die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg

Unter der Verfassung von 1946 wurde Sizilien zu einer autonomen Region Italiens mit umfangreichen Selbstverwaltungsrechten. Ein Regionalrat aus Ratsmitgliedern und einem Präsidenten wird vom Volk gewählt.

Da die Industrie und Landwirtschaft nicht alle Arbeitskräfte beschäftigen können, erfolgt eine starke Abwanderung nach Norditalien und in andere europäische Länder. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte Sizilien ein Wiedererstarken der Mafia, die inzwischen für das moderne Italien zu einem ernsthaften Problem geworden ist.

Autor: Renate Hirschberger, Dipl.-Geol. lebt als freie Autorin für Geowissenschaften, Kartographie und Touristik in Warmisried.

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